KLIMAFREUNDLICH LEBEN

Warum man nicht perfekt sein muss, um das Klima zu retten

Plastikfrei einkaufen, Energie sparen und klimafreundlich mobil sein: Nachhaltigkeit ist in aller Munde und schnell verspürt man das Gefühl einer Überforderung, die Furcht, an jeder Ecke in eine Klimasündenfalle zu tappen. Die Journalistin Janine Steeger hat Stück für Stück ihr Leben in nachhaltige Bahnen gelenkt. BIO hat mit ihr darüber gesprochen, wie das gelungen ist und warum man nicht perfekt sein muss, um das Klima zu retten.

15.06.2020

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Janine Steeger ist Journalistin und moderierte lange Zeit die RTL-Sendung "Explosiv- Das Magazin". Seit 2015 ist sie freie Moderatorin und Medientrainerin mit den Schwerpunkten Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Clara Vogel aus dem BIO-Team sprach mit "Green Janine" über ihren Weg dorthin. 

 

BIO: Frau Steeger, was hat Sie dazu bewogen, Ihrem Leben eine neue, klimafreundliche Richtung zu geben?

Janine Steeger: Ausgelöst worden ist das im Jahr 2011. Da war ich schwanger und habe mir im Fernsehen die Bilder der Fukushima-Katastrophe angesehen. Hormongeschwängert mit dem ungeborenen Kind in meinem Bauch diese Katastrophe zu sehen, hat dazu geführt, dass ich mir Fragen zu stellen begann über meinen Lebensstil und über unserer aller Lebensstil. Ich habe mir zum Beispiel die Frage gestellt, in welche Welt gebäre ich da ein Kind und wie werde ich ihm die Erde hinterlassen?

Und dann sind Sie von null auf hundert gestartet?

Ich bin auf jeden Fall bei null gestartet! Ich bin zwar sehr naturverbunden auf dem Land aufgewachsen, aber planetare Grenzen oder Ressourcenverbrauch waren bei uns zu Hause nie Thema. Deswegen hat mich die Erkenntnis, dass ich mich bis 2011 nicht mit einer klimaschonenden und zukunftsfähigen Lebensweise beschäftigt habe, auch erst mal stark durchgeschüttelt.

Und wie sah Ihr Wandel dann konkret aus?

Es fing erst mal an mit Recherche und der Frage, was kann ich denn überhaupt selbst tun. Zu dieser Zeit ist unsere Kaffeemaschine kaputtgegangen, und da war der Punkt erreicht, dass wir gesagt haben, wir kaufen keine mit Kapseln,sondern eine, die wir mit Fair-Trade-Kaffeebohnen selbst befüllen. Und dann ging das weiter mit quasi allem, was ich getan oder konsumiert habe. Bei allem habe ich mir die Frage gestellt: Gibt es nicht eine nachhaltigere Alternative? Das große private Finale war dann, dass wir unser Auto abgeschafft haben, das war sicher der größte Knackpunkt. Schließlich bin ich auf dem Land aufgewachsen, und dort hat das Auto einen hohen Stellenwert. Aber auch in allen Städten, in denen ich gelebt hatte, habe ich immer wie selbstverständlich das Auto genutzt.

Wie haben Ihre Familie und Freunde Ihre Lebensumstellung wahrgenommen?

Meinen Mann habe ich häufig gemaßregelt und ihm gesagt: Bei dem oder jenem kannst du noch besser werden, kauf doch mal eine fair hergestellte Jeans, achte mehr auf Mülltrennung. In einem weiteren Radius habe ich das nicht gemacht. Und das hat sich als sehr gut erwiesen. Ich habe natürlich von meiner Tätigkeit erzählt und die anderen haben begonnen, Fragen zu stellen. Ist das Leben ohne eigenes Auto nicht furchtbar anstrengend? Wo fange ich an mit der Nachhaltigkeit und darf ich auch mal ein Auge zudrücken? Die Menschen interessieren sich für meine Erfahrungen, gerade weil ich so komplett bei null gestartet bin.

Gibt es Punkte, bei denen Sie sagen, da könnte ich mich noch verbessern?

Ich glaube, ich bin in vielen Punkten schon sehr weit. Als berufstätige Mutter stehe ich aber auch mitten im Leben und weiß um die Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren. In all dem organisatorischen Wahnsinn versuche ich trotzdem, meinen Teil beizutragen, um den Planeten für künftige Generationen, für die Zukunft unseres Sohnes zu erhalten. Ich bin Umweltschützerin aus Überzeugung und mit Leidenschaft. Aber ich muss Kompromisse eingehen, um alles auf die Kette zu kriegen. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir nicht perfekt sein müssen, um das Klima zu schützen. Aber wir sollten alle dringend anfangen – jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Was raten Sie Menschen, die ihren Alltag umweltverträglicher gestalten wollen?

Natürlich kommen mir da Tipps in den Sinn wie den eigenen Becher zum Kaffee to go mitzunehmen, aber ich möchte die Menschen eher dazu ermutigen, dass sich jede und jeder einmal selbst ein paar Fragen stellt. Zum Beispiel: Was brauche ich wirklich, um glücklich zu sein? In welchen Lebensbereichen halte ich eine Veränderung am wahrscheinlichsten durch, wo ist sie am ehesten durchsetzbar? Viele Veränderungen wirken umständlich und man denkt, man müsste auf Anhieb alles super toll machen. Kleine Schritte sind das Ziel und somit auch der Weg zu einem nachhaltigeren Leben. Man merkt, dass das alles gar nicht so schlimm ist und letzten Endes sogar Spaß macht! Deswegen appelliere ich an den Mut, mit der Veränderung anzufangen, um dann zu merken, dass ein nachhaltiges Leben einfach so viel besser ist. Mich macht mein nachhaltiges Leben gesünder, glücklicher und reicher!

 

In Ihrem neuen Buch Going Green erzählt Janine Steeger authentisch, ehrlich und mit viel Humor von Hindernissen und Konflikten, aber auch von so manch schöner Überraschung, die der Sprung ins neue Leben mit sich brachte. Ihre Geschichte zeigt, dass wir nicht perfekt sein müssen, um das Klima zu schützen – es reicht ein erster Schritt. 

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Dieser Beitrag stammt aus 

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