Ameisenabwehr ohne Chemie und Nebenwirkung

Natürlicher Abwehrstoff aus Sekret eines Insekts

In der freien Natur sind Ameisen in ihrer Rolle als Abfallbereiniger und Gesundheitspolizisten oft ausgesprochen nützlich. Im Gartenbau dagegen, in der Landwirtschaft und in menschlichen Siedlungsgebieten können sie enorme Schäden anrichten und Krankheiten übertragen. Im Garten übernehmen sie beispielsweise die Rolle des Bodyguards für Blattläuse und fördern damit den Schädlingsbefall von Pflanzen. In Anbaugebieten dezimieren sie die Ernteerträge oder machen Wiederaufforstungsbemühungen in Wäldern zunichte.

Ameisen als Überträger gefährlicher Krankheiten

Für den Menschen können Ameisen sogar unmittelbar gefährlich werden. Denn sie ernähren sich unter anderem von Eiweißprodukten, die in menschlichen Körperflüssigkeiten und Sekreten enthalten sind. So werden Ameisen häufig zum Überträger gefährlicher Krankheiten wie Malaria oder Gelbfieber, Tuberkulose und Milzbrand. Und die Tatsache, dass sie unter Wund- und Gipsverbände vordringen können, macht die Sache keineswegs besser.
„Insekten muss man deshalb abwehren“, sagt René Csuk, Professor für Organische Chemie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Zu toxisch darf die Abwehr allerdings nicht sein, sonst schädigt sich die Natur möglicher Weise selbst und die Umwelt obendrein. Am besten wäre ein Mittel, das nur die Tiere abschreckt. Und das haben Professor Csuk und seine Mitarbeiter mit Unterstützung von Biologen jüngst gefunden: Es ist einem natürlichen Abwehrsekret nachempfunden und verursacht keine Nebenwirkungen wie etwa Hautreizungen.

Natürlicher Abwehrstoff aus Sekret eines Insekts

Dazu schauten sich die Forscher in der Natur um, und wurden auf ein kleines Insekt, das die Biologen auf den Namen „Thrips Suocerathrips linguis“getauft hatten, aufmerksam. Dieses sondert ein Tröpfchen eines Sekretes ab, um von Ameisen unbelästigt zu bleiben. Nach den ersten Vermutungen, wie dieses Abwehrsekret wirkt, führten Chemiker damit entsprechende Analysen durch. Csuk: „Dabei wurde eine bisher unbekannte Verbindung entdeckt, welche als (11Z)-Eicosadienylacetat identifiziert werden konnte. Diese Verbindung übt auf Ameisen eine starke Repellentfunktion aus.“ Das bedeutet, dass es sich um einen Stoff handelt, der in einem Organismus über den Geruchssinn eine Abwehr- und Fluchtreaktion auslöst. Nachdem die Chemiker diesen Stoff künstlich nachgebaut und optimiert haben, soll er mit Industriepartnern zur Produkt- und Marktreife geführt werden.
Bisher kam zur Insektenabwehr hauptsächlich das Mittel N,N-Diethyl-m-toluamid (DEET) für den persönlichen Schutz zum Einsatz, welches zum Beispiel Basiswirkstoff des bekannten Abwehrstoffes Autan ist. Doch DEET hat Nebenwirkungen und kann zu Hautreizungen führen. Besonders bei kleinen Kindern kann man nur eine verdünnte Konzentration verwenden. Durch das neue Abwehrmittel lassen sich gesundheitsschädliche Nebenwirkungen von vornherein ausschließen.

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