Auch Magenspiegelung – jetzt einfach und schmerzlos

PillCam – die Mini-Kamera zum Schlucken

Wenn es hinter dem Brustbein drückt oder brennt, wenn im Hals ein Kloß zu stecken scheint, wenn Husten und Heiserkeit zur Normalität werden, ohne dass eine Erkältung vorliegt, und wenn stetiger Mundgeruch einsam zu machen droht, dann sind dies möglicherweise Anzeichen für eine so genannte Refluxkrankheit. Das bedeutet: Die Magenklappe schließt nicht richtig, Magensäure steigt in die Speiseröhre auf und schädigt diese nachhaltig bis hin zum Krebs. Auch Kehlkopfentzündungen, chronische Bronchitis, Asthma, Zahnschmelzschäden und Mittelohrentzündungen können Folge der Säure sein die dort wirkt, wo sie im Grunde nichts zu suchen hat. Obwohl das häufigste Anzeichen – Sodbrennen – unangenehm genug ist, wenden sich Betroffene meist erst spät an einen Arzt. Einer der Gründe ist die gefürchtete und unangenehme Spiegelung von Speiseröhre und Magen. Denn das Schlucken des Schlauches ist nicht jedermanns Sache.Forscher der Fraunhofer Gesellschaft wollen deshalb gemeinsam mit Partnern innerhalb des mit 4,5 Millionen Euro geförderten EU-Projektes NEMO den Schlauch in Rente schicken.

PillCam – die Mini-Kamera zum Schlucken

Damit künftig Untersuchungen von Speiseröhre und Darm weniger unangenehm für Patienten verlaufen, setzt eine Gruppe um Dr. Frank Volke am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) in St. Ingbert auf eine Technik, die bereits vor sieben Jahren Furore machte. Denn sie revolutionierte die Untersuchung des nur schwer zugänglichen Dünndarmes. Die Rede ist von der so genannten„PillCam“, einer Mini-Kamera in der Größe einer Erdnuss, die mit einem kräftigen Schluck Wasser in den Körper gespült wird. Während ihrer sechsstündigen Reise durch den Darm macht sie etwa 5.000 Bilder und lässt auf diese Weise Blutungen und Gewebeveränderungen sichtbar werdem. Anfangs waren Entwickler und Internisten sogar guter Hoffnung, dass die Kamera auch bei der Untersuchung von Speiseröhre und Magen gute Dienste leisten könnte. Doch die Hoffnungen wurden enttäuscht. Zu schnell passiert die Kapsel M2A die Speiseröhre. Zu wenige Bilder – zwei sind es pro Sekunde – stehen zur Auswertung zur Verfügung. Und im Magen plumpst die lediglich fünf Gramm schwere Mini-Kamera recht schnell auf die untere Magenwand. Könnte man die Kapsel ausbremsen und steuern, würden Untersuchungen in diesem Bereich möglich. Genau das ist dem Team um Volke geglückt:
„Ähnlich wie mit einer Fernbedienung können Ärzte künftig die Kamera in der Speiseröhre stoppen, sie auf- und abbewegen, drehen und so den Blickwinkel der Kamera gezielt einstellen.“ Gemeinsam mit dem Hersteller der PillCam haben die Fraunhofer-Ingenieure eine Magnetvorrichtung entwickelt, die etwa so groß wie eine Tafel Schokolade. Damit lässt sich die Kapsel mit der Kamera von außen dirigieren. „Die Kamera im Körper folgt präzise den Bewegungen, die der Arzt mit der Magnetvorrichtung ausführt“,sagt Teamleiter Volke und erklärt: „So lässt sich zum Beispiel der Übergang zwischen Speiseröhre und Magen genau untersuchen. Auch die Magenwände können wir nun gezielt abscannen.“ Im Eigenversuch konnten die Forscher zeigen, dass sich die Kamera so für etwa zehn Minuten in der Speiseröhre halten lässt, trotz aufrechtem Sitzen. Das Schlucken der Kamera sei unproblematisch und nicht schlimmer als das Verschlucken eines Bonbons, versichern die Entwickler. Nun wird die Kamera beweisen müssen, dass sie zumindest genauso zuverlässig arbeitet, wie die Schlauch-Endoskopie. Zwar ist nun die technische Seite der Entwicklung abgeschlossen. Bis zum Einsatz muss das System aber noch eine Reihe von klinischen Tests durchlaufen. Volke rechnet dennoch mit einer schnellen Zulassung, weil durch das EU-Entwickler-Konsortium alle Voraussetzungen gegeben seien. Gastroenterologen setzen bereits große Hoffnungen in die neue Technologie. Denn dank exakter Steuerung und mittels Licht-Biopsie kann dann auffälliges Gewebe schmerzfrei untersucht werden.

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