Bei Herz-Erkrankungen zählt jede Minute!

Ein Herzinfarkt kündigt sich fast immer an

„Und findest du einen Mann, dessen Brust schmerzt, und der auch unter Schmerzen an seinem Oberarm und seinem Magen leidet, so sollst du sagen, dass der Tod ihm naht." Dieses Zitat aus einem alten ägyptischen Papyrus, datiert um 2.600 vor Christus, gilt als eine der ersten Beschreibungen eines Herzinfarktes und seiner Symptome, die schon damals als tödliche Gefahr erkannt wurden.
Heute jedoch– so die Botschaft eines Vortrages von Prof. Michael Böhm, Direktor der Kardiologischen Universitätsklinik, bei der Verleihung der Forschungspreise der Freunde des UKS – sei die moderne Medizin in der Lage, die tödlichen Folgen des Herzinfarktes abzuwenden, wenn der Patient rechtzeitig in eine Klinik kommt.
Trotz dieser positiven Nachricht dürfen sich die Menschen keinesfalls in Sicherheit wiegen. Nach wie vor sind Herz-Kreislauferkrankungen in Deutschland die häufigste Todesursache. Der Hälfte aller Todesfälle liegt hierzulande eine Erkrankung des Herzens zugrunde. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben 2006 367.000 Menschen an einer Erkrankung des Herzkreislaufsystems, das entspricht 43,7 Prozent aller Verstorbenen. Vor allem bei einem Herzinfarkt kommt es auf jede Minute an.

Ein Herzinfarkt kündigt sich fast immer an

Die traurige Wirklichkeit: Ein Fünftel von Herzinfarkt-Betroffenen stirbt den plötzlichen Herztod. Doch meist kündigt sich der Infarkt bereits vorher durch kurzzeitig auftretende Durchblutungsstörungen an. Die meisten Betroffenen und auch manche Mediziner deuten aber solche Warnzeichen oft als Stressfolgen oder als Muskelverspannungen. Eine Fehldiagnose, die sich tödlich auswirken kann. Eine gestörte Durchblutung des Herzens macht sich vor einem Herzinfarkt oft durch Herzrhythmusstörungen sowie durch typische Angina pectoris-Beschwerden (= Herzkranz-Beschwerden) bemerkbar: dumpfe, „beklemmende" Schmerzen in der Brustgegend und ein Gefühl der Brustenge. Manchmal schmerzt auch der Magen aus unerfindlichen Gründen. „Würden die Warnsignale eines Herzinfarktes immer ernst genommen und sofort der Notruf gewählt, könnten von den jährlich 265.000 Infarktpatienten in Deutschland weit mehr überleben als bisher", urteilt die Deutsche Herzstiftung.

Keine Sauer-und Nährstoffversorgung beim Herzinfarkt

Beim Herzinfarkt kommt es auf jede Minute an. Herzinfarkt bedeutet, dass aufgrund verstopfter Blutgefäße Herzmuskelgewebe von der Sauer- und Nährstoffzufuhr abgeschnitten ist und in der Folge abstirbt. Je mehr Gewebe betroffen ist, umso geringer die Herzleistung.„Trotz dieses weit verbreiteten Wissens kommt für ein Drittel der Betroffenen jede ärztliche Hilfe zu spät“, so Böhm. Die Tragik des Herzinfarktes beginnt aber weitaus früher. Nämlich beim Lebensstil. Deutlich wird das an aktuellen Statistiken, die nicht nur eine Krankheits-Zunahme in den Industrieländern feststellen, sondern vor allem in solchen Nationen, die westlichen Lebensstil übernommen haben. In der Folge wird durch falsche Ernährung, Sucht- und Genussmittel sowie mangelnde Bewegung der Boden für Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht bereitet, allesamt nachweislich Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen.

Möglichst alle Risikofaktoren behandeln

Böhm:„Dabei ist es keinesfalls so, dass sich diese Risikofaktoren einfach nur addieren, sie potenzieren sich.“ Das bedeutet für Präventivmaßnahmen: Es ist nicht nur ein Risikofaktor zu behandeln, sondern alle. Eine Lebensstiländerung muss deshalb am Beginn der Prozesskette stehen, wenn das Ziel Infarktvermeidung lauten soll. Am Ende stehen die modernen Intensivmaßnahmen, die lebensrettend für die meisten Patienten sind, die rechtzeitig ein Krankenhaus erreichen. Alleine durch die Einführung intensivmedizinischer Stationen in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts stieg die Zahl der Überlebenden um 30 Prozent.
Einen weiteren Schub brachten Methoden, die die Auflösung des Blutgefäß verstopfenden Gerinnsels zum Ziel hatten. Als wichtige lebensrettende Maßnahme kam dann der Herzkatheter hinzu. Rund 600.000 Katheteruntersuchungen und 200.000 Behandlungen in Deutschland sprechen eine deutliche Sprache. Damit lassen sich Verengungen der Herzkranzgefäße aufspüren und gleichzeitig behandeln. Dabei wird die Verengung mit einem Ballon aufgeweitet und möglicherweise mit einem Drahtgeflecht offen gehalten. Allerdings kommt es bei einem Drittel der so Behandelten zu einem Wieder-Verschluss des Gefäßes. Engmaschige Untersuchungen sind deshalb unumgänglich.

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