Fischöl gegen Alzheimer?

Acht Millionen Euro für die Alzheimer-Forschung

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendwo ein neues Wundermittel gegen die gefürchtete Alzheimer-Krankheit unters Volk gebracht werden soll. Wirksamkeitsnachweise fehlen für die meisten Inhaltsstoffe. Dennoch gibt es Substanzen, die offenbar tatsächlich positiv in das Krankheitsgeschehen eingreifen. DHA (Docosahexaensäure), eine Omega-3-Fettsäure, gehört dazu. Ob sie tatsächlich – wie einige Forscher vermuten – ein aussichtsreicher Kandidat für künftige Behandlungskonzepte ist, will das Projekt LipiDiDiet herausfinden.
Dieses internationale Großprojekt wird von der EU über fünf Jahre mit insgesamt acht Millionen Euro gefördert. Etwa ein Fünftel dieser Summe geht an das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS). Von dort aus leitet der Neurobiologe Professor Tobias Hartmann das EU-Projekt, an dem insgesamt 16 Arbeitsgruppen an den Universitäten Amsterdam, Bonn, Göteborg, Kuopio, Nijmwegen, Prague, Stockholm, Szeged und Tel Aviv mitwirken.
Über eine Million Menschen mit Alzheimer-Demenz leben in Deutschland; in 25 Jahren werden es 2,3 Millionen sein. Trotz der seit 20 Jahren unternommenen immensen Anstrengungen gibt die Erkrankung noch immer Rätsel auf. Nur soviel steht fest: Heilbar ist die Alzheimer-Krankheit nicht, weil die Schädigungen am Gehirn nicht umkehrbar sind. Ziel der Mediziner ist es deshalb, die Krankheit möglichst früh zu erkennen und ihren Verlauf zu verlangsamen, um so die geistigen Fähigkeiten der Betroffenen möglichst lange zu erhalten, und damit die pflegenden Angehörigen zu entlasten. Eine große Hoffnung der Forschung ist die, das Fortschreiten der Krankheit über die Ernährung beeinflussen zu können. Allerdings ist Professor Tobias Hartmann, Neurobiologe am Neurozentrum des UKS skeptisch, ob dieses Ziel möglicherweise mit speziellen Ernährungsplänen zu realisieren ist. Für eine mögliche Prävention hält er Nahrungsergänzungsmittel für die geeigneteren Kandidaten gegenüber Diäten.
Vor zehn Jahren hatten Studienergebnisse einen Korridor in diese Richtung eröffnet: Fette können das Risiko einer Alzheimer Krankheit beeinflussen. Einige Fette, darunter Cholesterin, können das Risiko erhöhen, andere scheinen hingegen das Risiko zu mindern. Als zentrales Molekül der Alzheimer Erkrankung wird das Amyloid Beta 42 angesehen. Eine übermäßige Produktion führt sogar zu einem frühen Auftreten der Krankheit. „In Studien konnte gezeigt werden, dass eine bestimmte Omega-3-Fettsäure, DHA, die Amyloid-Produktion hemmt“, so Hartmann. Omega-3-Fettsäuren seien ein wichtiger Bestandteil der Nahrung, da der Körper sie nicht synthetisieren kann. Langkettige Omega-3-Fettsäuren wie DHA würden in Meerwasseralgen produziert und gelangten üblicherweise durch den Verzehr von Kaltwasserfischen, aber auch von tierischen Organen wie Leber und Hirn in die menschliche Nahrungskette. DHA wird vor allem im Gehirn benötigt, das zu einem großen Teil aus diesen Säuremolekülen aufgebaut ist. Hartmann: „DHA senkt aber nicht nur die Produktion von Amyloid Beta 42, es werden auch weitere Wirkungen auf die neuronale Leistungsfähigkeit, sowie entzündliche, oxidative und andere Prozesse vermutet.“ Für den Menschen wird unter anderem das angenommen, was in Tierversuchen längst bewiesen ist, dass die Fähigkeit zu Denken und zu Lernen durch DHA geschützt und gesteigert wird. Deshalb befasst sich das Projekt LipiDiDiet nicht ausschließlich mit Vorbeugungsmöglichkeiten zur Alzheimer Krankheit, sondern es geht in den einzelnen Arbeitsgruppen um den Schutz und die Stärkung der Hirnleistung im Alter ganz allgemein.
Molekulare Wirkmechanismen von DHA haben Forscher bereits zum Teil entschlüsseln können und sie haben erste Daten in Bevölkerungsstudien gesammelt. LipiDiDiet wird insgesamt 280 Patienten über einen Zeitraum von fünf Jahren begleiten. Das gibt Gelegenheit, langfristigere Entwicklungen zu dokumentieren. Denn DHA hat bereits bewiesen, dass es im Verlaufe einer einjährigen Studie den geistigen Zerfall von Alzheimerpatienten aufhalten kann. Ob die Wirksamkeit auch längerfristig anhält, soll nun untersucht werden.

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