Flexibel aufgetischt!

Über die neue Achtsamkeit in der deutschen Esskultur

Teilzeit-Vegetarier sind In. Jeder dritte Haushalt in Deutschland lebt flexitarisch – Tendenz steigend. Eine gesunde Alternative im Dschungel der Ernährungsformen

Alternative Ernährungsform, kurz AEF, so nennen es Wissenschaftler, wenn man aus gesundheitlichen, philosophischen oder ethischen Gründen von der herkömmlichen Mischkost abweicht. „Die Zukunft isst pflanzlich“, so etwa das Motto des deutschen Vegetarierbundes, der die Anzahl von Vegetariern hierzulande auf 7,8 Millionen beziffert. Ist das aber wirklich so?
Tatsächlich ist inzwischen die Gruppe der sogenannten Flexitarier mit gut einem Drittel aller Haushalte weitaus größer. Das ergab eine aktuelle Erhebung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Flexitarier reduzieren ihren Fleischkonsum, verzichten aber nicht völlig darauf. Vielmehr geht es um Klasse statt Masse: Biofleisch statt Billigware. Oder auch um den Verzehr von Fleisch nur zu besonderen Anlässen.
Immerhin gehört gutes Fleisch mit einwandfreier Herkunft zu unseren wichtigsten Eisenlieferanten. Das lebensnotwendige Spurenelement braucht der Organismus, um den roten Blutfarbstoff Hämoglobin zu bilden, der seinerseits Sauerstoff in die Körperzellen transportiert.
Flexitarier interessieren sich übrigens noch stärker als Vegetarier für die Zusammensetzung von Lebensmitteln, wie Forscher der Universitäten Göttingen und Hohenheim herausfanden. Sie verteufeln nicht, stattdessen wählen sie bewusster aus. Eine Lebensphilosophie, die besonders unter den Älteren verbreitet ist: Der Anteil der Teilzeit-Vegetarier, wie die Flexitarier auch genannt werden, ist bei den über 70-Jährigen fast doppelt so hoch wie bei den bis 40-Jährigen. Neben der Fürsorge für die eigene Gesundheit veranlassen auch ethisch-moralische Ansprüche, Essgewohnheiten neu zu überdenken.
Mit Blick auf das Tierwohl und den Umweltschutz sind immer mehr Menschen (45 Prozent) bereit, deutlich mehr Geld auszugeben, wenn Fleischwaren aus artgerechter Haltung stammen, bestätigt der neue Ernährungsreport 2016 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). 82 Prozent wünschen sich auch Informationen zur Haltung der Tiere auf der Verpackung. Besonders regionale Produkte gewinnen an Bedeutung.
Sich flexitarisch mit wenigen, dafür ausgewählten Fleisch- und auch Fischprodukten zu ernähren, erinnert nicht zuletzt an die Essgewohnheiten der 1960er-Jahre. Im Vergleich zu heute aß man früher Fleisch fast nur sonntags – als Festmahl. Ein Ritual, das zugleich für das Miteinander der Familie stand. Freilich hat sich das Angebot parallel zum heute mobilen, unregelmäßigen Alltag enorm verändert. Doch könnte gerade deswegen der flexitarische Weg eine gesunde Alternative sein.

Petra Peschel

Weitere Infos
www.bmel.de, Deutschland, wie es isst: BMEL-Ernährungsreport

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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