Ganz entspannt im Hier und Jetzt

Zen-Meditation in der Schmerztherapie

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, wird ein neues Therapiekonzept in der medizinischen Fachwelt aufmerksam verfolgt: die achtsamkeits- und akzeptanzbasierte Therapie. Sie wird auch bei chronischen Schmerzen eingesetzt. Zentrale Elemente sind dabei meditative Methoden, wie sie im Zen-Buddhismus praktiziert werden.

Achtsamkeit und Akzeptanz lernen

Ziel der Meditation ist es, den Zustand der Achtsamkeit zu erreichen. Das bedeutet, die Aufmerksamkeit wird sehr bewusst auf das momentane Erleben und Empfinden gelenkt. Der Meditierende ist in Kontakt mit dem gegenwärtigen Augenblick, ohne in Erinnerungen, Zukunftsplänen oder Grübeleien gefangen zu sein. Das Gegenwärtige wird dabei nicht bewertet, sondern nur bewusst wahrgenommen.
Dass dieser Geisteszustand nicht selbstverständlich ist, weiß jeder aus Erfahrung. Beim Zusammenlegen der Wäsche beispielsweise lässt es sich gut vom bevorstehenden Urlaub träumen, aber auch über die berufliche Unzufriedenheit grübeln. Problematisch ist, dass dieser geistige„Autopilotenmodus“ nur begrenzt kontrollierbar ist. Starke emotionale  oder körperliche Empfindungen, wie beispielsweise Schmerzen oder Angst, drängen sich in den Vordergrund. Sie überfallen den Betroffenen geradezu und dieser ist ihnen ausgeliefert.
Mit der bewussten und vor allen Dingen nicht bewertenden Wahrnehmung des Gegenwärtigen erreicht der Meditierende eine neutrale Distanz zu dem was passiert. Empfindungen, Gedanken und Gefühle sind nicht mehr bedrohlich, sie werden nur betrachtet.

Wie Meditation das Schmerzempfinden verändern kann

Kann dieser „Meditations-Zustand“ das Schmerzempfinden verändern? In den Vereinigten Staaten wurden bereits einige Studien durchgeführt, die diesen Gedanken nahe legen. So wurden 26 Personen einem Hitzereiz ausgesetzt, indem eine heiße Platte an ihre Waden gepresst wurde. Dreizehn von ihnen praktizierten bereits seit mehreren Jahren Zen-Meditation. Diese Gruppe empfand erst wesentlich höhere Temperaturen als schmerzhaft, als die Kontrollgruppe, die keine Zen-Meditation praktizierte.
In einer anderen amerikanischen Studie tauchten die Versuchsteilnehmer zwei Finger in 51 Grad Celsius heißes Wasser. Eine Kernspin-Untersuchung zeigte, dass bestimmte Hirnareale bei meditationserfahrenen Personen auf die Hitzereize schwächer reagierten als in der Kontrollgruppe. Der Versuch wurde nach fünf Monaten, in denen die „Nicht-Meditierer“ Unterricht erhielten, wiederholt. Dabei ergab die Kernspin-Untersuchung keine Unterschiede mehr.
Besonders ausgeprägt war die Wirkung der Meditation auf Hirnareale, die für die emotionale Verarbeitung des Schmerzes zuständig sind. Der Gedanke liegt also nahe, dass nicht unbedingt der Schmerz an sich verändert wird, sondern die Reaktion auf den Reiz. Der emotionslos Meditierende hat möglicherweise Schmerzen, aber sie stressen oder verängstigen ihn nicht. Ein Versuch, die Zen-Meditation zu erlernen, könnte sich also für Schmerzpatienten lohnen. 

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