9 Mythen aus der Medizin

Richtig oder falsch – was stimmt wirklich?

Rund um das Thema Gesundheit werden viele gut gemeinte Ratschläge und Alltagsweisheiten weitergegeben. Doch vieles davon gehört zu den Mythen oder ist nur die halbe Wahrheit

1. Beine überkreuzen verursacht Krampfadern

Ungefähr jeder Dritte bekommt sie: Krampfadern. Sie sind lästig, unansehnlich und betreffen vor allem Frauen. Aber ist daran wirklich Sitzen mit überschlagenen Beinen Schuld? Die Sitzhaltung kann in der Tat zur venösen Stauung führen, wenn die Venen über längere Zeit „abgeklemmt“ werden. Doch das alleine macht noch keine Krampfadern! Diese entstehen, wenn die Venenklappen – also die kleinen Ventile im Inneren der Blutgefäße – nicht mehr richtig schließen. Und in erster Linie ist dafür eine angeborene Bindegewebsschwäche verantwortlich.

2. Dämmerlicht schadet den Augen

Im Halbdunkel müssen sich die Augen mehr anstrengen, die Augenmuskeln ermüden schneller. Deshalb können Kinder vom stundenlangen Lesen in Dunkelheit wirklich kurzsichtig werden. Das Wachstum des Augenmuskels ist nämlich oft erst im Erwachsenenalter abgeschlossen. Erwachsenen jedoch schadet das Lesen bei Kerzenschein nicht! Ihre Augen erholen sich in der Regel schnell wieder. Allerdings kann es zu trockenen Augen, Müdigkeit oder Kopfweh kommen.

3. Schokolade macht Pickel

Süßes steht oft im Verdacht, unreine Haut zu verursachen. Zu Unrecht, wie der TV-Arzt und „Halbwahrheiten der Medizin“-Autor Dr. med. Carsten Lekutat erklärt. „Für einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Pickeln und einem erhöhten Schokoladengenuss gibt es bislang keinen wissenschaftlichen Beweis. Man könnte sogar argumentieren: Schokolade besteht aus Kakao, und der enthält viele Antioxidanzien, die das Hautbild verschönern können.“
Akne ist eine von der Ernährung unabhängige Erkrankung des Talgdrüsenapparates der Haut. Vor allem bei Teeangern sind die Ausführungsgänge der Talgdrüsen oft verstopft. Die sogenannte Erwachsenenakne (Acne tarda) im Alter 25 plus kann genetisch bedingt sein. Weitere Ursachen: bestimmte Medikamente wie Antidepressiva oder die Anti-Baby-Pille, Stress, Nikotin oder unverträgliche Kosmetikprodukte.

4. Salz im Alter ist tabu

Der gut gemeinte Ratschlag ist nur zur Hälfte wahr: Speisesalz kann den Blutdruck in die Höhe treiben, wie wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen. Wer aber Salz meidet, kann einen Natriummangel erleiden. Und das Risiko dafür erhöht sich im Alter, wie eine im American Journal of Medicine veröffentlichte Studie ergab.
Die Folgen sind fatal. Ältere Menschen mit Salzmangel stürzen etwa doppelt so oft wie jene mit einem ausgeglichenen Elektrolythaushalt. Ursachen können auch eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr oder entwässernde Medikamente sein.
Fazit: Hemmungslos salzen ist schädlich. Doch braucht der Organismus gerade im Alter Salz für die körperliche und geistige Fitness. Drei Gramm Salz täglich sollten es sein, bis zu sechs Gramm pro Tagen gelten als gesundheitlich unbedenklich.

5. Bei Durchfall: Cola trinken und Salzstangen essen

In der Regel durch Bakterien verursacht, aber harmlos, ist Durchfall. Schon als Kinder haben wir gelernt, dass man dann viel Cola trinken und Salzstangen essen soll. Stimmt das?
Viel trinken bei Durchfall ist richtig bzw. dringend notwendig, weil der Körper aufgrund des Flüssigkeitsverlustes austrocknen kann. Cola ist allerdings nicht geeignet, erklärt Mediziner Dr. Carsten Lekutat. „Die Kohlensäure kann den Magen-Darm-Trakt zusätzlich reizen, und das enthaltene Koffein fördert die Wasserausscheidung.“ Genau das gilt es bei Durchfall zu vermeiden. Nicht zu vergessen die Unmengen an Zucker in Colagetränken, die den Durchfall sogar zusätzlich verstärken können.
Die Idee, Salzstangen zu knabbern, ist da schon naheliegender. Jedoch braucht der Körper nicht nur Speisesalz, sondern auch andere Salze wie Kalium und Magnesium. Und diese liefern Salzstangen nicht. Fazit: Das Defizit lebensnotwendiger Salze können am besten fertige Elektrolytlösungen aus der Apotheke beheben.

6. An Wunden muss frische Luft

Noch eine weitere Halbwahrheit. Alltägliche Schürfwunden zum Beispiel sollte man erst unter fließendem, lauwarmem Wasser reinigen und dann mit einem Pflaster versorgen. So sind sie besser vor Schmutz und damit Infektionen geschützt. Außerdem hält die Wundauflage die Wunde länger feucht. Auf diese Weise gelangen Enzyme, Wachstumsfaktoren und Antikörper leichter in die Verletzungsregion. Neues Gewebe kann sich ungestört bilden. Erst dann, wenn sich kein Sekret mehr absondert, kann frische Luft tatsächlich die Heilung beschleunigen.

7. Bei Nasenbluten Kopf in den Nacken

Irrtum, denn darauf folgen Übelkeit und Erbrechen, weil das Blut durch die Speiseröhre in den Magen läuft. Im Notfall ist es besser, sich aufrecht hinsetzen oder den Kopf hochzu lagern. HNO-Ärzte empfehlen, den Kopf nach vorne(!) hängen zu lassen.
Auch gut: Drücken Sie die Nasenflügel für einige Minuten fest zusammen. Ein kalter Waschlappen im Nacken sorgt außerdem dafür, dass sich die Blutgefäße in der Nase schneller zusammenziehen.

8. Wer lange schläft, lebt länger

Eine schlechte Nachricht für alle Langschläfer: Stimmt nicht! Zu langes Schlafen erhöht sogar das Krankheitsrisiko. Interessant ist auch das Ergebnis einer großen amerikanischen Studie: Menschen, die regelmäßig länger als acht Stunden schliefen, verstarben früher. Die durchschnittlich höchste Lebenserwartung hat man bei einer Schlafdauer von sieben Stunden.

9. Bier auf Wein, das lass sein

Wohl jeder kennt dieses Sprichwort. Und auch den Umkehrschluss: „Wein auf Bier, das rat ich dir.“ Diese Weisheit soll ihren Ursprung im Mittelalter haben. Seinerzeit war Wein ein Getränk, das sich nur die Reichen der Oberschicht leisten konnten. Der Wechsel zum „Armengetränk“ Bier hätte nicht nur den Geschmack verdorben, sondern wäre auch einem sozialen Abstieg gleichgekommen. Tatsache ist aber, dass es völlig egal ist, in welcher Reihenfolge wir alkoholische Getränke zu uns nehmen. Die Ursache für den Kater am nächsten Tag ist einzig und allein zu viel Alkohol.

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