Jod – warum es für uns so wichtig ist

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Deutschland gehört seit der letzten Eiszeit vor mehr als 10.000 Jahren mit zu den jodärmsten Gebieten Europas. Doch nicht nur die Schilddrüse braucht Jod, sondern jede einzelne unserer 70 Billionen Körperzellen

An Jod herrscht – zumindest nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation – in Deutschland heute kein Mangel mehr. Viele Experten sehen das allerdings anders. Dass zirka 30 Prozent der Bevölkerung nicht ausreichend versorgt sind, berichtete die Ärztezeitung. Und die aktuelle Joduntersuchung, beauftragt durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, ergab, dass Erwachsene statt der täglich empfohlenen 200 nur 125 Mikrogramm zu sich nehmen. Auswaschungen während der letzten Eiszeit führten hierzulande zur Jodarmut im Grundwasser sowie in den Böden und darauf angebauten pflanzlichen Lebensmitteln.
Interessant: Japaner – die Menschen mit der höchsten Lebenserwartung weltweit mit nur sehr wenig Brustkrebs bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern – verzehren 75 Mal so viel Jod wie wir. Grund ist die traditionelle japanische Küche, die durch ihren hohen Anteil an Fisch- und Algengerichten besonders jodreich ist. Und davon profitiert offensichtlich nicht nur die Schilddrüse. Diese benötigt Schätzung zufolge sogar nur ca. 30 Prozent des lebensnotwendigen Spurenelements. Die restlichen 70 Prozent nutzen andere Organe wie die Nebennieren, Eierstöcke, die Leber oder die Haut. Auch die Stoffwechselprozesse der Muskeln, des Herzens und des Gehirns – sie alle brauchen ausreichend Jod.

Wie man einen Mangel erkennt

Fehlt es an Jod, sind Müdigkeit und Erschöpfung typisch. Auch trockene Augen, Mundtrockenheit, Infektanfälligkeit, ein träger Stoffwechsel oder Bluthochdruck können auf einen Mangel hinweisen. Nicht zu vergessen der viel zitierte Kropf oder Knoten in der Schilddrüse, die mit einer Ultraschalluntersuchung aufgedeckt werden können.
Auskunft über die Jodversorgung des ganzen Körpers gibt der sogenannte Jodsättigungstest, eine Laboruntersuchung von 24 Stunden-Sammelurin. Zuvor werden ca. 50 mg Jod in Tablettenform eingenommen. Scheidet man diese Zufuhr innerhalb von 24 Stunden zum größten Teil wieder aus, ist der Körper bereits „gesättigt“ – es besteht kein Mangel.
Besonders für Frauen kann es vorsorglich sinnvoll, sein, den Jodstatus bestimmen zu lassen. Der enge Zusammenhang zwischen einem Mangel und Brustkrebs wurde in zahlreiche Studien belegt. Übrigens: Auf bloßen Verdacht sollte man nicht zu Jodergänzungsmitteln greifen, denn zu viel ist ebenso schädlich, wie zu wenig Jod. Beispielsweise kann eine sehr einseitige, salzreiche Ernährung oder der Verzehr von hochdosierten Algenprodukten die Beschwerden einer Schilddrüsenüberfunktion auslösen oder eine bestehende Überfunktion verschlimmern. Auch eine chronische Entzündung der Schilddrüse (Hashimoto-Thyreoiditis) gehört zu den Folgen.

Jodbewusst ernähren

Unterm Strich rät die Schweizer Ernährungsberaterin Anja Leitz zu mehr japanischer Tradition in der westlichen Küche: „Mit einer täglichen Ration von Fisch und etwas Algen können wir nicht nur genügend Jod für die Schilddrüse liefern, sondern sogar unsere Zellen mit Jod ‚tränken‘, was unsere Gesundheit drastisch verbessern würde.“
Ein Beispiel: In 100 g Kartoffeln oder Brokkoli stecken nur 15 Mikrogramm Jod. Dagegen liefern 100 g Schellfisch 243 Mikrogramm – also mehr als die offiziell empfohlene Menge. Weitere gute Lieferanten: Scholle, Seelachs, Kabeljau, Garnelen und Muscheln.
Spitzenreiter sind die Meeresalgen, kein anderes Lebensmittel enthält mehr organisch gebundenes Jod. Beispiel hierfür sind die Rotalgen Nori und Dulse oder die Braunalgen Wakame und Kombu. Nur ein Gramm(!) frische Kombualge deckt bereits den Tagesbedarf. Japanische Spezialitäten wie die Kombu-Gemüsepfanne, der frische Wakamesalat oder mit Noriblättern umwickelte Sushi sind derzeit auch bei uns auf dem besten Weg, zum neuen Superfood zu werden.
Wie wäre es statt mit Nudeln aus Hartweizengries zum Beispiel einmal mit schwarz-grünen Algenspaghetti? Das Meeresgemüse ist nicht nur jodreich, es enthält auch viele Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien wie Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen. Es schmeckt auch nicht fischig. Die bei der Herstellung in Salz eingelegten Meeresnudeln haben vielmehr einen mild-würzigen Geschmack. In Frankreich und Irland haben sie bereits einen festen Platz auf der Speisekarte.
Auch jodiertes Speise- oder Meersalz ist eine wichtige Jodquelle, vor allem für Menschen, die sich vegetarisch und vegan ernähren. Allerdings reicht es alleine oftmals nicht aus, um den gesamten Jodbedarf zu decken. Wichtig ist es zudem, das Salz erst nach dem Kochen zu den Speisen zu geben, weil ansonsten die wertvollen Inhaltsstoffe durch die Kochhitze vernichtet werden.

Fazit: Die bisherige Erfahrung zeigt, dass von einem optimierten Jodhaushalt Körper und Geist gleichermaßen profitieren: Die Abwehrkräfte steigen, man kann klarer denken und sich besser konzentrieren. Studien mit Kindern zeigten, dass die Jodversorgung sogar den Intelligenzquotienten beeinflussen kann.

Buchtipp:
Kyra Hoffmann/Sascha Kauffmann: „Jod – Schlüssel zur Gesundheit“, Systemed, ISBN: 978-3-951814-017-2, € 14,99

Petra Peschel

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