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So werden Sie Ihren Heuschnupfen los!

So werden Sie Ihren Heuschnupfen los!

 

In der Nase juckt es, im Hals brennt es und die Augen tränen: Wenn im Frühjahr die Bäume ausschlagen, haben vom Heuschnupfen Geplagte nichts zu lachen. Doch die Chinesische Medizin (TCM) weiß Rat. Wie Heuschnupfen aus Sicht der fernöstlichen Medizin entsteht und welche Mechanismen helfen, die Ursache zu bekämpfen und die Symptome zu lindern, erklärt die TCM-Expertin Andrea Hellwig.

 

Mit dem Frühjahr beginnt für viele Menschen eine Leidenszeit. Bereits im Januar fliegen die ersten Pollen, im März blüht die Haselnuss und im April startet mit der Birke die Hochzeit des Pollenflugs. Niesen, Fließschnupfen, Juckreiz in den Augen, Hals und Ohren, allergische Bindehautentzündung, verengte Bronchien bis hin zum allergischen Asthma werden für immer mehr Menschen zur Belastung und schränken die Lebensqualität mitunter erheblich ein.

Alarmierend ist die deutliche Zunahme von allergischen Erkrankungen: In den westlichen Industrieländern haben Allergien in den vergangenen Jahrzehnten bis um das 20-Fache zugelegt. Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts leidet knapp ein Drittel der Deutschen zwischen 18 und 79 Jahren an einer Allergie. Am häufigsten ist dabei der Heuschnupfen, wovon 16,5 Prozent der Frauen und 13 Prozent der Männer in Deutschland betroffen sind.

Wie die Chinesische Medizin Heuschnupfen behandelt

Neben der westlichen Schulmedizin steht uns auch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) zur Behandlung des Heuschnupfens zur Verfügung. Sie ermöglicht, dem Heuschnupfen auf natürliche Weise zu begegnen. Die wichtigsten Therapieansätze sind die chinesische Arzneimitteltherapie und Akupunktur. Ergänzend ist chinesische Ernährungstherapie sinnvoll, zudem können die Massagekunst Tuina sowie die Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform Qi Gong hilfreich sein. Die Methoden der Chinesischen Medizin kommen in der Akutphase des Heuschnupfens wie auch in der symptomfreien Zeit zur Anwendung. In der Akutphase werden die Symptome behandelt, in der symptomfreien Zeit die Ursachen des Heuschnupfens. Diese Differenzierung ist in der Chinesischen Medizin sehr wichtig. Die Behandlung der Ursachen sollte etwa drei Monate vor dem erwarteten Beginn des Heuschnupfens beginnen, um dem Auftreten des akuten Heuschnupfens vorzubeugen.

Neben einer Behandlung dieses Krankheitsbildes durch einen ausgebildeten TCM-Therapeuten kennt die Chinesische Medizin viele Mittel und Wege, damit die oder der Betroffene selbst etwas gegen die Beschwerden und Ursachen tun kann.

Klimatische Faktoren beeinflussen den Menschen

Laut der Chinesischen Medizin verursachen sogenannten pathogene (krankmachende) Faktoren die Symptome einer Erkrankung. Eine Kategorie dieser pathogenen Faktoren beschreibt die sogenannten äußeren (klimatischen) Faktoren. Sie werden in jahrhundertelanger Tradition mit Begriffen beschrieben, die wir aus dem Wetterbericht kennen. Klimatische Faktoren beeinflussen nicht nur das Geschehen auf der Erde, sondern auch den Menschen. Im alten China wurde die starke Ähnlichkeit zwischen Veränderungen des Gesundheitszustands und klimatischen Änderungen bereits sehr früh betont. Diese äußeren Faktoren sind Wind, Kälte, Hitze und Feuer, Feuchtigkeit und Trockenheit. Für das Erkrankungsbild des akuten Heuschnupfens ist in erster Linie Wind verantwortlich, meist in Verbindung mit Kälte. Sehen wir uns die Faktoren Wind und Kälte etwas genauer an.

Wind greift in erster Linie die oberen Körperbereiche – Kopf, Hals, Augen und Nase – an. Wind ist beweglich und sprunghaft. Diese Eigenschaften spiegeln sich in der Symptomatik wider, etwa im akuten Beginn einer Erkrankung und wandernden Symptomen. Die Symptome beginnen plötzlich und relativ stark und zeigen sich mal hier, mal dort. Viele Menschen reagieren empfindlich auf Wind. Wind verursacht unter anderem auch die normalen Erkältungen. „Ich habe Zug bekommen“ sagen wir, wenn wir nach einem windigen Tag die ersten Erkältungssymptome spüren. Wind verursacht unter anderem Juckreiz, Trockenheitsgefühle oder Steifigkeit. Zudem begünstigt Wind das Eindringen anderer pathogener Faktoren und ist das Transportmittel für Pollen und Krankheitserreger. Wind ist in der TCM der Jahreszeit Frühling zugeordnet und im Frühling sind wir besonders anfällig für Wind. Interessant ist, dass dies auch mit dem Beginn der Pollenflugphase und dem Beginn der Heuschnupfenzeit korrespondiert.

Kalte Temperaturen können unsere Immunabwehr schwächen. In der Chinesischen Medizin spricht man davon, dass äußere Kälte in den Körper eindringt. Diese Kälte kann die Leitbahnen „einfrieren“ und zu Schmerzen in Muskeln und Gelenken führen. Denken Sie hier einmal an eiskalte Finger, die Sie sich auf einem Winterspaziergang ohne Handschuhe zugezogen haben. Die Finger werden steif, vielleicht auch ein wenig blau und lassen sich nur noch schwer bewegen. Kälte kann auch unsere Organfunktionen einschränken, was sich darin zeigt, dass alle Prozesse langsamer und schwerfälliger werden. Häufig verbindet sich äußere Kälte mit Wind und dringt so als "Wind-Kälte“ in den Körper ein. Dies führt unter anderem zu Heuschnupfen oder Erkältungen.

Qi und Blut – wichtig für unsere Abwehrkräfte

Es ist also wichtig, dass wir ein Zuviel des Eindringens von Wind – und auch Kälte – in den Körper verhindern. Wie können wir dem Eindringen von Wind entgegenwirken? Wie können wir unsere Abwehr von Kälte schützen?
In der Chinesischen Medizin werden verschiedene Substanzen als wesentlich für die Funktionsfähigkeit und Lebenskraft von Körper, Seele und Geist herausgestellt. Zentral sind dabei die Substanzen Qi und Blut. Der Zustand des Qi ist wesentlich für die Funktionsfähigkeit unseres Körpers und auch für unsere Abwehrkräfte.
Der Zustand von Qi und Blut nimmt wesentlichen Einfluss auf die Entstehung von Heuschnupfen. Sind Qi und Blut schwach, beeinträchtigt dies unsere Abwehrkräfte und wir können nicht mehr adäquat auf äußere Einflüsse reagieren. Wir werden beispielsweise anfällig für Erkältungskrankheiten oder aber auch für Heuschnupfen.



Haben Sie schon einmal beobachtet, dass Heuschnupfen sich durchaus wechselhaft zeigen kann? In einem Jahr leiden wir massiv unter den Pollen, im nächsten Jahr weniger oder gar nicht. Oder Heuschnupfen ist uns unbekannt und von einem Jahr aufs andere setzt er plötzlich ein. – Das Konzept von Qi und Blut bietet einen Erklärungsansatz für dieses für viele Menschen wenig erklärbare Geschehen. Haben wir beispielsweise eine längere Krankheitsphase hinter uns oder haben wir im Winter nicht ausreichend für die Regeneration unsere Kräfte gesorgt, sind im Frühjahr Qi und Blut – und damit unser Immunsystem – geschwächt, und für die Ausprägung von Heuschnupfen liegen ideale Bedingungen vor. Regelmäßig berichten Frauen beispielsweise, dass sie im Frühjahr nach Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit plötzlich Heuschnupfen entwickelt haben. Nach ein bis zwei Jahren verschwindet dieser dann aber wieder. Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit sind Höchstleistungen und konsumieren in hohem Maße Qi und Blut. Konnte die Frau nicht ausreichend regenerieren und Qi und Blut aufbauen, ist eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung von Heuschnupfen gegeben. Sind nach einem bestimmten Zeitraum die Depots wieder aufgefüllt, ist das Abwehr-Qi wieder ausreichend stark und der Heuschnupfen verschwindet.

Wie unser Organismus Qi und Blut produziert

Wichtig ist also, dass wir unser Qi und Blut pflegen und regelmäßig aufbauen. Für die Qi-Produktion sind gemäß der Chinesischen Medizin drei Organsysteme verantwortlich: die Milz, die Lunge und die Nieren. Die Milz gewinnt über die Verdauung Qi aus der Nahrung. Die Lunge versorgt uns über die Atmung mit Sauerstoff und Qi. Die Nieren sind Energiespeicher.
Die Aufgabenverteilung bei der Qi-Produktion lässt sich gut mit dem Bild eines Kochtopfs vergleichen. Der Magen nimmt die Nahrung auf und leitet die Verdauung ein, die Milz wandelt dann alles vom Magen Aufgenommene in Qi um und verteilt es im Körper. Die Qi-Produktion von Lunge und Milz ist auf eine kontinuierliche Versorgung mit Luft (Sauerstoff) und Nahrung angewiesen. Die Nieren als Energiespeicher sorgen für das nötige „Brennholz“ (Nieren-Yin) und das Feuer (Nieren-Yang) unter dem Kochtopf.
Das Blut wird in erster Linie über die Milz produziert, die Niere wirkt unterstützend mit. Ist die Milz funktionsfähig, bildet sie über die Verdauung aus der Nahrung Blut. In der Chinesischen Medizin wird daher ein ausgesprochenes Gewicht auf die Pflege der Milz gelegt. Die Milz pflegen wir mithilfe hochwertiger gedünsteter oder gekochter Nahrung, die zu einem Großteil aus Gemüse besteht. Zwei Mal am Tag warm essen, ist eine der Grundregeln der chinesischen Ernährungslehre. Zudem wenig Rohkost, besonders im Winter, und Fleisch in Maßen.
Für die Kraft und Funktionsfähigkeit unseres körpereigenen Qi und Bluts sind wir zu einem großen Teil selbst verantwortlich. Neben einer professionellen Therapie können Sie auch selbst etwas tun, um Ihr Qi und Blut zu pflegen und somit Ihre Abwehrkräfte zu stärken, etwa indem Sie Ihre Lunge durch regelmäßige Bewegung und Atemübungen aus dem Qi Gong unterstützen. Ihre Nierenenergie stabilisieren Sie unter anderem durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Ruhe und Aktivität. Durch ausreichend Schlaf und Ruhephasen am Tag können Sie sich regenerieren und neue Kräfte aufbauen.

 

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in BIO 2/2019 

 

Buchtipp

"Heuschnupfen – Gesund leben mit Chinesischer Medizin"
Johannes Bernot, Andrea Hellwig und Claudia Nichterl, oekom 2019, 140 Seiten, 16 Euro

 

 

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