RLS – dem Restless Legs Syndrom auf der Spur

Dopaminstoffwechsel und Eisenmangel als Ursache

RLS – das ist die „Erkrankung der unruhigen, ruhe- oder rastlosen Beine“. Am Abend und in der Nacht beginnen ziehende, reißende, kribbelnde, juckende, brennende, bohrende oder krampfartige Schmerzen in den Beinen. Die einzige Linderung wird häufig nur durch Bewegung erreicht. Viele Betroffene wandern daher nachts in der Wohnung umher oder suchen andere Wege, sich zu helfen. Ein Teufelskreis beginnt: RLS-Kranke finden keinen ausreichenden und erholsamen Schlaf. Tagsüber sind sie übermüdet und zermürbt. Das kann auf Dauer zu körperlicher und seelischer Erschöpfung führen. „RLS ist eine verkannte und immer noch zu wenig diagnostizierte Krankheit“, sagt Prof. Jörn Peter Sieb, Direktor der Klinik für Neurologie, Geriatrie und Palliativmedizin am Hanse-Klinikum Stralsund und Autor mehrere Bücher und Broschüren zum Thema. Das RLS sei in etwa so häufig wie der Migräne-Kopfschmerz. Prof. Sieb: „Man geht davon aus, dass etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Damit stellt das RLS eine der häufigsten Erkrankungen dar und kann als Volkskrankheit bezeichnet werden.“ Prof. Thomas Meitinger vom GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg bestätigt: „Rund 8 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter ruhelosen Beinen, was oft mit schweren Schlafstörungen verbunden ist.“

Dopaminstoffwechsel und Eisenmangel als Ursache von RLS

Die Ursachen sind noch nicht eindeutig geklärt. Mediziner unterscheiden zwischen dem „primären“ RLS (aufgrund Vererbung bzw. Veranlagung) und dem „sekundären“ RLS als Folge anderer Erkrankungen. Man vermutet die Ursache des primären RLS im Dopaminstoffwechsel des Körpers. Deshalb können Medikamente, die wie dieser körpereigene Botenstoff wirken, beim RLS sehr hilfreich sein. Dazu gehören solche Substanzen, die die Wirkung von Dopamin nachahmen und unterstützen.
Als eine der wichtigsten Ursachen des sekundären RLS gilt Eisenmangel, der bei Frauen relativ häufig vorkommt. Aber auch bestimmte Medikamente, Polyneuropathien, ein Bandscheibenvorfall oder eine Schwangerschaft können RLS auslösen. Im letzten Jahr fanden Forscher der Max-Planck-Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft deutliche Hinweise auf eine genetische Ursache des RLS. Überraschenderweise sind die drei entdeckten „RLS-Gene" auch als Kontrollfaktoren der frühen Embryonalentwicklung bekannt. In dieser Phase sind sie an der Musterbildung der Extremitäten und des zentralen Nervensystems beteiligt. Die Arbeit eröffne neue Einsichten in die Entstehung des Syndroms und damit auch neue Wege für die Therapie, so die Projektleiter PD Dr. Juliane Winkelmann und Prof. Thomas Meitinger.

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