Eier

Von Eiern, Brüderhähnen und dem happy Huhn

Jährlich werden in Europa 500 Millionen Küken geschreddert oder vergast. Das ist nicht nur sinnloses Töten, sondern auch ethisch nicht vertretbar. Zum Glück gibt es bereits tolle Initiativen, die Tierwohl über den wirtschaftlichen Ertrag stellen. BIO stellt Euch drei Projekte vor.

 

26.03.2021

Von Eiern, Brüderhähnen und dem happy Huhn | Eier Massentierhaltung Ethik Tierwohl Ökologische Tierhaltung

 

  • Das Leid der Brüderhähne
  • Die Bruderhahn Initiative
  • Ei care im Kurzinterview
  • Bio Hähnlein vom Fürstenhof

 

Unnötiges Leid der männlichen Küken: Züchtung von speziellen, ertragreichen Rassen

In der Landwirtschaft werden Hühner in der Regel gehalten, um entweder Eier oder Fleisch zu erzeugen. Für diese beiden Nutzungsarten wurden im Laufe der letzten Jahrhunderte hochspezialisierte Rassen gezüchtet: Die sogenannten Fleischrassen setzen viel Fleisch an, legen aber wenig Eier. Die Hennen der sogenannten Legerassen legen viele Eier, bleiben aber sehr mager. Da die männlichen Brüder der Legehennen weder Eier legen noch einen guten Fleischansatz haben, bringen sie der Industrie keinen Nutzen und werden gleich nach dem Schlüpfen getötet. Mehr zur Hühnerhaltung sowie alle Zahlen und Fakten auf einen Blick könnt Ihr im Artikel »Von Eiern, Gesundheit und Tierwohl« nachlesen. 

 

 

1. Bruderhahn Initiative DeutschlandLogo der BID

Der wohl bekannteste Verein gegen das Kükenschreddern ist die Bruderhahn Initiative*. Hier werden die Hähne mit aufgezogen, gemästet und später zu Fleisch verarbeitet. Die Mast der Hähne wird durch einen höheren Preis der Eier finanziert.

Dies ist aber nur eine Übergangslösung, denn eigentlich sollten nur Zweinutzungsrassen eingesetzt werden – also Hühner die Eier legen und Hähne der gleichen Rasse, die viel Fleisch für die Fleischproduktion ansetzen. So müssen die Küken nicht geschreddert oder groß gemästet werden. Daher arbeitet Bruderhahn eng mit der Ökologischen Tierzucht >> zusammen, die an der Zucht von Zweinutzungsrassen arbeiten.

Logo BrudertierSeit der Gründung 2012 sind 30 Betriebe und einige Verarbeitende und Großhändler dazu gekommen. Die Initiative setzt sich für größtmögliches Tierwohl und Konzernunabhängigkeit ein. Tiere sollen nicht mehr nur rein wirtschaftlich betrachtet werden. Auch wenn es sich trotzdem noch um eine reine Aufzucht zum Töten und konsumieren handelt.

Verkaufsstellen und alles Weitere zur Bruderhahn Initiative gibt’s hier >>.

*Bruderhahn entwickelt sich gerade weiter zu der Brudertier Initiative, die auf der Website brudertier.bio in Kürze zu finden sein wird.

 

2. Ei Care

Hahn auf dem Arm einer FrauDie ei care Initiative wurde von der Markgesellschaft der Naturland Bauern AG und Terra Naturkost Handels KG ins Leben gerufen. Sie setzen auf die Rasse »Les Bleues«, bei der beide Geschlechter ohne Überzüchtung auf natürliche Weise Leistung erbringen.

Zusätzlich wird Regionalität betont: Alle Betriebe, inklusiv des Vertriebs, befinden sich in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Die Koordination und Qualitätssicherung übernimmt die Naturland Bauern AG, die größte Bio-Erzeugergemeinschaften Deutschlands. BIO führte mit Moritz Bor, zuständig für die Ein- und Verkauf Tierische Produkte Nord-Ost-Deutschland und die ei care Initiative, ein Interview.

BIO: Wie kam die ei care Initiative zustande?

Bor: Wir wollten einen Gegenentwurf zur allgemeinen Entwicklung in der ökologischen Geflügelhaltung aufzeigen.

Insbesondere engagierte sich unser Vorstand Jörg Große-Lochtmann, denn seine Absicht war es, eine Alternative zum Küken-Töten und zur Abhängigkeit von Großkonzernen zu schaffen, indem wir mit reinem Rassegeflügel, den Le Bleues, arbeiten. Die Hühner vermehren sich untereinander und sind somit für die bäuerliche Erzeugung ohne Zuchtorganisationen geeignet. Die Hähne finanzieren sich selbst durch ihr Premiumfleisch und ihre Schwestern durch die Eier und den Schlachtkörper.

Wir haben 2011 angefangen auf das damals noch unbekannte Problem des Küken-Tötens hinzuweisen und sind den ungewöhnlichen Weg gegangen, ein Zweinutzungshuhn einzusetzen. Der Großhandel Terra Naturkost hat uns sehr geholfen, beispielsweise bei der Abnahmesicherung. Denn allen war klar, dass dieses Ansinnen Neuland ist und wir zunächst froh sein werden, wenn am Ende eine schwarze Null steht.

Besonders froh bin ich auch über die vier Erzeugerbetriebe, die sich mit vollem Herzblut in das Experiment gestürzt haben und eine alternative Geflügelhaltung mit unterstützen wollten.

BIO: Was hat sich seit der Gründung 2011 verändert?

Bor: Das komplette Marktfeld hat sich verändert. Egal ob der Discounter oder Einzelhandel, überall wird groß mit dem Versprechen, auf Küken-Töten zu verzichten, geworben. Gleichzeitig haben sich viele ähnliche Initiativen wie der Mustergeflügelhof Leonhard Häde in Hessen >> oder »Ei, zwei, drei« des Thüringer Ökoherz >> gebildet, die zeigen, dass eine andere Geflügelhaltung gewollt und möglich ist.

Die Verbraucher*innen kennen inzwischen die rationalen Gründe für unser Anliegen und haben verstanden, dass man auch in der Ökohaltung nach dem Besten streben muss. Jetzt können wir so richtig loslegen mit unserem regional und hochwertig erzeugtem Qualitätsgeflügel. Die Eier der Le Bleues zeichen sich durch ihre schöne Champagnerfarbe aus und das Hähnchenfleisch gilt in Frankreich als Delikatesse.

Auch ein Umdenken in der gesamten Bio-Branche ist gefragt, denn die Aufzucht von Brüderhähnen kann nur eine Übergangslösung hin zu einer wirklich nachhaltigen Geflügelzucht mit Zweinutzungsrassen sein.  

Weitere Infos zu ei care findet Ihr hier >>

 

3. Bio Hähnlein vom Fürstenhof

Die Hähnlein Initiative arbeitet ähnlich wie Bruderhahn. Hinter dem Fürstenhof versteckt sich ein Erzeugerzusammenschluss aus 23 Betrieben, ebenfalls in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern angesiedelt.

Für jedes Huhn wird ein Hahn mitaufgezogen. Zusätzlich achten die Betriebe auf eine Kreislaufwirtschaft, indem sie große Teile des Futters selbst anbauen und den Mist aus den Hühnerställen in Biogasanlagen zu Energie und Dung verarbeiten.

Um diese Projekte und Hühner zu unterstützen gilt es Bio-Eier mit entsprechendem Bruderhahn-Zusatz zu kaufen. Und da das Fleisch der Brüderhähne auch dazugehört, darf man dies ruhig auch ab und zu kaufen. Was es sonst noch beim Eierkonsum zu beachten gibt und wie Ihr ganz einfach zu Eggspert*innen werdet, zeigt BIO euch in dem Artikel »Eier: So werdet Ihr zu Eggspert*innen«.

Mehr über die Produkte und Gesichter hinter Hähnlein erfahrt Ihr hier >>.

Küken in Hand

© Bruderhahn Initiative |  ei care | Hähnlein

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