Bruxismus - Stress geht auf die Zähne

Hier erfahren Sie, was man gegen Zähneknirschen tun kann

Ärger im Privatleben? Stress im Job? Aus Druck, der tagsüber nicht verarbeitet werden kann, wird häufig nächtliches Zähneknirschen. Was kann Hilfe bringen?

Sprichwörtlich steht „mit den Zähnen knirschen“ für Ärger herunterschlucken. Oder auch: „die Zähne zusammenbeißen.“ Zähneknirschend nehmen wir etwas in Kauf. Für bis zu 22 Prozent der Deutschen gilt das nicht nur bildhaft. Sie pressen tatsächlich heftig die Zähne aufeinander. Durch das Knirschen werden die Kauwerkzeuge wie mit Schmirgelpapier regelrecht abgeschliffen – vor allem nachts im Schlaf. Bruxismus (vom griechischen Wort brymos = Knirschen) sagen Mediziner dazu.

„Zum Teil liegt das an Fehlstellungen im Kaubereich“, erklärt Dr. Marcus Parschau, Zahnarzt aus Buchholz in der Nordheide. „Ein Großteil der Patienten leidet hingegen unter beruflichem oder privatem Stress und findet nur wenig Möglichkeiten, sich zu entspannen.“

Nicht selten bleibt das Knirschen lange unbemerkt, und der Zahnarzt entdeckt dessen Folgen „zufällig“ bei einer Routineuntersuchung. „Beim Knirschen entwickelt sich ein bis zu zehnmal höherer Druck als bei normalen Kaubewegungen. Über einen längeren Zeitraum nutzt sich zum Teil sogar sichtbar die Hartsubstanz der Zähne ab, sodass Bakterien leichter in den Zahn eindringen und Karies die Folge ist.“

Typisch sind beim Bruxismus: • Zahnabrieb • Bruch von Zahnkanten • ausgedünnte Vorderzähne • Rückgang des Zahnfleischs mit freiliegenden Zahnhälsen • Zahnlockerung • eine wunde Zunge. Warnsignale können Kieferschmerzen und -knacken sein, Müdigkeit, Kopf- und Nackenschmerzen. Doch auch ungenau eingebrachte Füllungen, Kronen, Brücken oder Prothesen können zum Bruxismus führen. Aber auch Angststörungen sowie bestimmte Medikamente wie Antidepressiva.

Eine vierdimensionale Biss-Analyse beim Zahnarzt, der sogenannte T-Scan, gibt Auskunft über Fehlstellungen und den Kaudruck. Behandelt wird mit einer individuell angepassten Aufbissschiene. Dr. Parschau: „So sorgen wir für den natürlichen Abstand zwischen den Zähnen und schützen sie vor weiterer Abnutzung. Allerdings lassen sich damit nur die Symptome, nicht die Ursache behandeln.“ Um muskuläre Verspannungen zu beseitigen, sind zusätzlich Massagen, Wärmebehandlungen und Physiotherapie hilfreich. Außerdem Entspannungsübungen wie Yoga oder autogenes Training.

So mancher Patient ist auch gut beraten, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, um den tieferen Ursachen für die Beschwerden auf den Grund zu gehen.

Infos:
• www.dgfdt.de. Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und –therapie, Spezialistensuche unter „Patienten“.

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