Hilfe bei Ohrgeräuschen

Viele Ursachen – viele Therapien

„Nur meine Ohren, die sausen und brausen Tag und Nacht fort, ich kann sagen, ich bringe mein Leben elend zu“, klagte einst der berühmte Musiker Ludwig van Beethoven. Nicht nur er, auch die Komponisten Bedrich Smetana und Robert Schumann, der Kirchenreformer Martin Luther und der Maler Vincent van Gogh: Sie alle hörten Klänge, die auf kein äußeres Schallereignis zurückzuführen waren, aber dennoch im Gehör existierten.
Solche Ohrgeräusche heißen Tinnitus: Menschen hören ein Pfeifen oder Zischen, ein Tuten, Dröhnen, Klirren oder Rauschen. Die Geräusche können ein- oder beidseitig auftreten, laut oder leise, vorübergehend oder chronisch, rhythmisch oder durchgängig sein. Der Deutschen Tinnitus Liga zufolge leiden gegenwärtig rund 3 Millionen Deutsche an Tinnitus, bei vielen mit chronischem Verlauf. Manche Betroffene können ganz gut mit den Ohrgeräuschen leben. Doch rund 700.000 von ihnen empfinden diese Geräusche als Belastung. Bei 800.000 Betroffenen verursacht die Innenohr-Störung massive Probleme. Konzentrations- und Einschlafstörungen, Reizbarkeit, depressiven Phasen, Angststörungen und einer Einschränkung der sozialen Kontakte sind nicht selten die Folgen.

Viele Ursachen – viele Therapien

Wo liegen die Ursachen für die unerquicklichen Töne im Ohr? Erkrankungen, Funktionsstörungen im Innenohr, eine fehlerhafte Signalverarbeitung im Gehirn, Lärmbelastungen, Stress – die Gründe für Tinnitus sind vielfältig und bisher nicht abschließend geklärt. Nicht selten stellen die Ohrgeräusche sich auch zusammen mit einem Hörsturz oder kurz danach ein. Auf jeden Fall sollte, wer solche Geräusche hört und sie in der darauffolgenden Nacht nicht verliert, umgehend einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen. Eine sorgfältige Diagnostik ist sehr wichtig. Und: Je früher ein akuter Tinnitus behandelt wird, desto größer ist die Chance, dass er wieder verschwindet.
Welche Therapien helfen bei Tinnitus? Infusionstherapie in der akuten Phase, Entspannungsübungen, körperliche Bewegung, psychotherapeutische Hilfe, autogenes Training, Tinnitus-Masker – es gibt ein ganzes Spektrum an möglichen Hilfen. Auf eine Veränderung der Hörwahrnehmung zielen die Tinnitus-Retraining- und die Tinnitus-Bewältigungstherapie.
Eine spezielle Musik- bzw. Klangtherapie versucht, die akustische Wahrnehmung des Hörens zu reorganisieren. Wer schwerhörig ist, hört durch das Tragen von Hörgeräten nicht nur wieder besser. Oft lässt sich damit ebenfalls das Leiden am Ohr deutlich lindern. Spezielle Tinnitus-Kliniken schließlich bieten die Möglichkeit zur stationären Therapie. Betroffene sollten sich zwecks Beratung und Information an Experten wenden; auch die Selbsthilfeorganisation Deutsche Tinnitus-Liga e. V. hilft weiter.

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